29.06.2018

Im Tornado der Gegenwart: zweikommasieben #17 ist da!

Wir leben in einer Gegenwart der Simultanitäten. Eingeschlossen zwischen Vergangenheit und Zukunft werden wir gleichzeitig in verschiedene Wirklichkeiten gezerrt. Zeit, so scheint es, ist auch in der Musik trotz BPM immer noch relativ. Das spiegelt sich auch in der neusten Ausgabe unseres Magazins wieder, das sich nun schon seit insgesamt sechs Jahren mit besagter Gegenwart auseinandersetzt. zweikommasieben #17 ist seit dieser Woche erhältlich.

 

 

Würde man die nun mittlerweile siebzehn Ausgaben von zweikommasieben in Lebensjahre umrechnen, so wäre das Magazin gerade mitten in der Pubertät. Wir sind jedoch versucht, die Lebenszeit dieses vor sechs Jahren gestarteten Abenteuers eher in Hundejahren zu messen. Die Zeit des Sturm und Drangs wäre dann auch schon längst vorbei: zweikommasieben würde im fortgeschrittenen Alter nun eher über Vergangenes zu berichten wissen und auf Prognosen über Zukünftiges verzichten. Ein Magazin, das die Beschäftigung mit der Gegenwart zu seinem Credo erhoben hat, kann sich darauf aber nicht beschränken. Vielmehr wird für uns immer deutlicher, was sich von Anfang an abgezeichnet hat: Im vermeintlich Gegenwärtigen überlagern und kreuzen sich Zeitlichkeit, sie schlagen aus, reichen vor und zurück.

Es habe Tage gegeben, so meinte John Maus im Interview mit Helena Julian in dieser Ausgabe zu den sechs Jahren, die zwischen der Veröffentlichung seines Albums We Must Become The Pitiless Censors Of Ourselves und dem 2017 erschienenen Screen Memories liegen, an denen er wie aus einem Fiebertraum erwacht sei. Er habe gedacht, schon beinahe tot zu sein – gleichzeitig hätten sich diese Jahre aber auch so angefühlt, als sei höchstens eine Woche vergangen. Paradoxe Zeitverhältnisse beschäftigen auch Anna Sagström und Daniel Iinatti von Country Music: Was heisst es, wenn sich trotz des Beschleunigungscrescendo der Globalisierung die Zeiten rückwärts drehen? Welchen verschiedenen Zeitregimen sind wir ausgesetzt, gerade angesichts der vermeintlichen Flexibilisierung der Arbeit – und welche Konsequenzen hat das nicht zuletzt auch ästhetisch? In Alessandro Cortinis jüngstem Werk, das Alexandra Baumgartner mit ihm besprach, findet sich ebenfalls ein paradoxer Zeitbezug. Avanti heißt das Album – vorwärts also –, dabei bezieht es sich auf Vergangenes: Es handelt sich um eine private Respektive auf das Italien der 1970er Jahre, die Cortini live mit Videoaufnahmen aus dem Familienarchiv auf die Bühne bringt.

We Are Time – so lautet der Titel von Georg Gatsas Bildkolumne, die uns seit mehreren Ausgaben begleitet. Die Beschaffenheit dieser Zeit und damit auch diejenige von uns selbst bleibt jedoch rätselhaft, fragmentiert, verschoben – oder aus den Fugen, wie es bereits in Hamlet heißt. Die Frage des Umgangs mit dieser Zeitlichkeit stand auch im Grafik Design der neuen Ausgabe im Zentrum: Kaj Lehmann wollte sie zunächst in einer Ästhetik der Geschwindigkeit gestalten, nur um letztlich genauso im Innehalten zu landen, wie in der Ent- und Beschleunigung. Und in diesem Versuch, der Zeit eine Form zu geben, findet sich nicht zuletzt auch ein ur-musikalisches Moment.

Bestellt werden kann zweikommasieben #17 im Webshop von Präsens Editionen. In der neusten Momentaufnahme zu finden ist Material von und bezüglich John Maus, Country Music, Alessandro Cortini, Anna Homler, Errorsmith, Further Reductions, Gabber Eleganza, Jasss, Ossia, Peter Rehberg, Renick Bell, Russell Haswell, Christoph Fringeli, Simon Crab und Nigel Ayers, Mmodemm, Angoisse, Ipek Gorung & Ceramic TL sowie Jay Glass Dubs.

Am kommenden Samstag den 30. Juni präsentieren wir die neue Ausgabe im Material  – Raum für Buchkultur – in der Klingenstrasse 23 in Zürich. Um 20:00 Uhr hält TS Jessica Marnie eine Lesung zum Klassiker der Klub-CD-Spieler, der Spezies des CDJ2000. Vorher und nachher wird jeweils Musik von den hauseigenen zweikommasieben DJs gespielt. Wir freuen uns über (un)bekannte Gesichter.